Simimus Gosgos Der Sohn des Teufels?
Teil I
Simimus Gosgos, angeblicher Sohn des Teufels, ist bisher der ehrgeizigste Bewerber
für einen Redakteursposten bei der SickNess. Kaum wurde eine Bewerbung abgelehnt,
ist auch schon die nächste unterwegs. So beschlossen wir von der SN, die Leser an
diesen verzweifelten Versuchen teilhaben zu lassen.
Sehr geehrte Chefredakteurin,
hiermit möchte ich mich als Redakteur für die SickNess bewerben.
Gleichzeitig entschuldige ich mich in Teufels Namen bei Ihnen für meine
letzte,
unangebrachte Bewerbung.
Aber nun zu mir und meinen Qualifikationen:
- Ich bin teuflisch gut, in jeder Beziehung.
- Ich bringe gute Menschen auf grausamste Weise um.
Meine Hobbys sind: Texte für Rammstein entwerfen sowie Leute quälen
(besonders Schwuchteln).
Ebenso hab ich eine Freude an meinen 13 Rottweilern, die schon so manchen
zerfleischt haben.
Also, wenn Sie wollen, komme ich gerne zu einem Bewerbungsgespräch.
Mit krankhaften Grüßen,
Simimus Gosgos
Soweit die Bewerbung. Die Absage folgte schon zwei Tage später...
Sehr geehrter Herr Gosgos,
ich muß Ihre Bewerbung leider ablehnen. Nicht nur, daß Sie unsere
Musterbewerbung bis auf wenige Änderungen einfach übernommen haben, nein,
was mir mißfällt, ist die Vorspiegelung falscher Tatsachen,
Ihre Lügen, mit denen Sie sich in unsere Redaktion schleimen wollen. Sie
müssen vermutet haben, daß ich mich dem Satanismus verbunden fühle
und gaben sich deshalb als Satans Sohn aus.
Ich werde Ihnen beweisen, daß Sie nicht der sind, der Sie vorgeben zu sein.
Ich beweise Ihnen sogar, daß Ihr Denken stark christlich geprägt ist.
1. Sie schreiben, daß Sie gute Menschen auf grausamste Weise umbringen und
möchten den Eindruck erwecken, daß Sie das Böse schätzen,
indem Sie beispielsweise möglichst "böse" Hobbies aufzählen (Leute
quälen, Kampfhunde halten etc.) Hiermit beweisen Sie Ihre christlichen
Denkvorgänge, da es die Kirche ist, die den Dualismus, das Gut-Böse-Denken
unterstützt und ins Leben gerufen hat und letztendlich auch den Satanisten als
"böse" definiert. Indem Sie diese Definition übernehmen, demonstrieren Sie
unbeabsichtigt, daß das Christentum noch fest in ihrem Gehirn verankert ist.
2. Sie schreiben, daß Sie besonders gerne Schwuchteln quälen.
Homosexualität ist besonders vom Christentum verhaßt. Die Lehre des
Satanismus besagt, daß der Mensch die Freiheit hat, über seine
Lebensform selbständig zu entscheiden; dazu gehört auch die Entscheidung,
das andere Geschlecht oder doch das eigene zu ficken.
Schlußfolgernd kann ich mir sicher sein, daß der Verfasser dieser
Bewerbung ein Christ ist, der die Rolle eines Satanisten bzw. des Sohnes Satans
wenig überzeugend spielt. Die Tatsache, daß es sich bei dem Bewerber um
einen Christen handelt, ist nicht der Hauptgrund der Ablehnung, sondern vielmehr
die unverschämten Lügen des Bewerbers.
Weitere Gründe, weshalb ich sie leider abweisen muß, sind folgende: Wir
(außer Schizo) haben nichts gegen Schwule, also können Sie sich auch
nicht mit schwuchtelquälenden Aktivitäten bei uns einschleimen. Und Ihre
Bewerbung ist mit Bleistift geschrieben. Und ich mag keine Hunde.
Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere berufliche Zukunft alles Gute. Hail
Satan!
Sabine Lavan
Chefredakteurin
Teil II
Damit konnte sich Simimus Gosgos nicht zufriedengeben. Er gab natürlich nicht
auf!
Betreff: Bewerbung als Redakteur bei der SN
Sehr geehrte Chefredakteurin,
bevor ich mich nun ein drittes Mal bei Ihnen bewerbe, möchte ich vorher noch
einige Dinge aus Ihrem Antwortschreiben vom ... richtigstellen und anderes wiederum
bezweifeln.
Sie schreiben: "[...] Hiermit beweisen Sie Ihre christlichen Denkvorgänge, da
es die Kirche ist, die den Dualismus, das Gut-Böse-Denken unterstützt und
ins Leben gerufen hat." Das kann ich leider nicht so stehen lassen. Denn mein Vater,
der Teufel, hat mir einmal gesagt, daß die Kirche seine Definitionen vom
Bösen und Guten übernommen hat, allerdings überall gut und böse
vertauscht hat.
Demnach stelle ich nun die Behauptung auf, Sie seien eine Christin, da sie die
Wahrheit nicht gewußt hatten und Lügen verbreitet haben. Ich kann alles
beweisen!
Außerdem hat mein Vater sehr viele Definitionen von der Kirche
übernommen, damit die Menschen ihn besser verstehen können und so den Weg
zu ihm besser finden.
Sie schreiben: "[...] Homosexualität ist besonders vom Christentum
verhaßt [...], die Lehre des Satanismus besagt, daß der Mensch die
Freiheit hat, [...] das andere oder doch das eigene Geschlecht zu ficken." Das ist
ja auch richtig so, aber Sie als "Satanistin", warum fallen Sie in der SN über
Homosexuelle her, lassen diese in Ihrem Magazin sterben?
Sie sagen, Sie haben nichts gegen Schwuchteln, wieso haben Sie dann
schwuchtelhassende Mitarbeiter?
Und eben deshalb möchte ich mich bei Ihnen als Redakteur bewerben. Nicht nur,
um für Sie und Ihr Magazin ein paar Artikel zu schreiben, nein, ich möchte
noch mehr. Ich würde Sie gerne in die Geheimnisse des Satanismus einweihen und
Sie damit auch dem wahren Glauben näherbringen. Denn mein Vater hat mir den
Auftrag gegeben, Sie, Frau Lavan, zu bekehren und Sie an der dunklen Macht
teilhaben zu lassen.
Mit teuflischen Grüßen, Ihr
Simimus Gosgos
Betrifft: Ihre Bewerbung vom ...
Sehr geehrter Herr Gosgos,
hiermit muß ich leider auch diese Bewerbung ablehnen, da ich immer noch davon
überzeugt bin, daß Sie ein lügender Christ sind.
Sie schreiben, die Kirche habe die Definitionen von Gut und Böse
übernommen und umgedreht. Sie können mich nicht davon überzeugen,
daß der Dualismus dem Satanismus entstammt. Der Satanismus ist
verständlicherweise jünger als der Glaube an Gott. So kann die Kirche die
Definitionen gar nicht übernommen haben, da es diese schon vor der Geburt des
Satanismus gab.
Außerdem ist das Argument "Mein Vater, der Teufel, hat mir einmal gesagt..."
nicht glaubwürdig, da ich nicht daran glaube, daß der Teufel Ihr Vater
ist. Sie schreiben: "Ich kann alles beweisen!", aber warum tun Sie es nicht?!
Ihrer Behauptung, die SN-Mitarbeiter seien schwulenfeindlich, muß ich heftig
widersprechen. Ein einziger Mitarbeiter, der eine Schwulenphobie entwickelt hat,
stellt noch lange nicht die gesamte Redaktion dar.
Sie behaupten, wir lassen in der SN Schwuchteln sterben; dies ist nicht wahr, denn
in der 'normalen' SickNess ist noch kein einziger Schwuler ums Leben gekommen. Und
Sie wollen sich doch schließlich für die normale und nicht für die
Schwarze SN bewerben. Selbst in der Schwarzen SN sind nur etwa 10% der Mordopfer
homosexuell, eine Anzahl, die den tatsächlichen Homosexuellenanteil der
Gesamtbevölkerung nicht überschreitet.
Doch zurück zu Ihrer Behauptung, die Sie hartnäckigerweise nicht aufgeben
wollen. Sie wollen der Sohn des Teufels sein, doch Sie können dies nicht
beweisen. Ich bemerke hierzu, daß wir mit unseren Argumentationen im Kreise
rotieren und zu keinerlei Ergebnis kommen. Aus diesem Grunde schlage ich eine
persönliche Konfrontation vor, um diese Frage endgültig zu klären.
Ich bitte Sie um telefonische Terminabsprache.
Mit krankhaften Flüchen,
Sabine Lavan, Chefredakteurin
Teil III - Die Konfrontation
Wie abgesprochen traf sich S.L. im Cafe Meyer mit Simimus Gosgos, um die Frage,
ob er der Sohn des Teufels sei, endgültig zu klären.
S.L. (dunkle Haare, helle Augen, irrer Blick, langer schwarzer Mantel) ging zuerst
an Simimus Gosgos vorbei, da sie keinen Schwiegermutterschwarm mit blonden langen
Engelslocken erwartet hatte. Schließlich fand sie doch an seinen Tisch.
Guten Tag, Herr Gosgos!
Guten Tag, Frau Lavan! Da sind Sie ja endlich. Und dieses Outfit! Wollen Sie
damit Ihren Bezug zum Teufel demonstrieren? Ich sag Ihnen, es laufen zwar viele
Satanisten so rum wie Sie, aber mein Vater weiß, daß nicht alle in
ihrem Inneren dieselbe Meinung habe und auch nur versuchen, andere Leute damit zu
täuschen und ihnen Angst einzujagen. Bei mir klappt es nicht!
Ich sehe immer so aus, weil es mir gefällt, und nicht, um damit einen Bezug
zum Teufel zu demonstrieren. Pseudo-Satanisten, die so rumlaufen, haben von der
wahren Lehre des Satanismus gar keine Ahnung, ebensowenig wie Sie!
Okay, von der Lehre des Satanismus hab ich vielleicht nicht so viel Ahnung, aber
nur deshalb, weil der Teufel, mein Vater, mir noch nicht alles vom Satanismus gesagt
hat. Außerdem eignen sich die Menschen auf der Welt viele Dinge an, die dem
eigentlichen, ursprünglichen Satanismus widersprechen.
Und das mit Ihren Kleidern, wenn Sie damit nicht den Bezug zum Teufel demonstrieren
wollen, warum reden Sie so oft von ihm, warum? Warum stellen Sie die Behauptung auf,
der Teufel sei Ihr Onkel (Anm. d. Red.:Das sagte S.L. im vorausgegangenen
Telefongespräch)? Und kurze Zeit später leugnen Sie, jemals an den
Teufel geglaubt zu haben. Das ist doch schwachsinnig!
Es ist wahr, daß ich nicht an den Teufel glaube, genausowenig, wie ich an
Gott glaube. Aber die Lehre des Satanismus ist korrekter und nicht so
menschenfeindlich wie die christlichen Lehren. Ich habe nie ausdrücklich
gesagt, daß ich wirklich eine Satanistin bin. Natürlich rede ich oft in
Ihrer Anwesenheit über den Teufel, weil das unser einziges Gesprächsthema
ist! Das mit dem Onkel war eine ironische Anspielung auf Ihre Behauptung, der Teufel
sei Ihr Vater. Und das ist schließlich der Grund unseres Treffens! Wir wollen
herausfinden, ob SIE ein Lügner sind, um mich geht es ja gar nicht. Und ich
finde es seltsam, daß der Sohn des Teufels keine Ahnung vom Satanismus hat!
Diese Ausrede bringen Sie schon im Voraus, damit ich Ihnen nichts nachweisen kann,
wie?!
Doofnuß! Doofnuß! Doofnuß!
1. Mein Vater ist der Teufel. Ich weiß es, Sie können es glauben oder
auch nicht.
2. Die Lehren des Satanismus, wie man ihn auf der Erde kennt, unterscheiden sich
zutiefst von den teuflischen Lehren. Die Menschen dachten sich in ihrem irdischen
Leben viele Dinge aus, um dem Teufel zu huldigen. Doch das wollte der Teufel oftmals
nicht. Die Menschen hatten Ihre eigenen Regeln des Satanismus. Und meinem Vater war
es egal. Genauso egal, ob man jetzt ein Auto geschenkt bekommt oder das Geld
für dieses Auto!
3. Wenn Sie weder an Gott noch an den Teufel glauben, wieso wollten Sie dann ein
Interview mit ihm? Und wieso
sind Sie dann doch nicht hingegangen? Angst vor einem, der gar nicht existiert?
So, Sie Sack, erstmal zu der letzten Frage: Ich hatte keine Angst vor dem Teufel,
sondern keine Zeit für ein Interview. Außerdem wollte Nory Morse, die
Neue, das Interview führen, um sich dem Leser besser einzuprägen. Die
Hintergründe des Interviews sind folgende: Rainman, unser Ex-Mitarbeiter,
behauptete, er wirke als Medium für den Teufel. Mit dem Interview wollten wir
ihn als Lügner überführen, aber er hat clever durchgehalten und die
Fragen, die ihn überführen sollten, sinnvoll beantwortet. Wahrscheinlich
war er dennoch ein Lügner. Wir können es nicht mehr herausfinden, denn
Rainman ist tot. Jedenfalls habe ich den Teufel nie in Fleisch und Blut gesehen
(Rainman hat behauptet, der Teufel hätte einen eigenen Körper), und
solange glaube ich nicht an den Teufel. Aber warum sagen Sie, es sei Ihnen egal,
wenn ich Ihnen nicht glaube? Wenn ich Ihnen nicht glaube, werden Sie kein
SN-Mitarbeiter. Und deshalb sind Sie doch hier, damit Sie mich dazu bringen, Ihnen
zu glauben!
Also, Rainman war das Medium des Teufels, er ist kein Lügner. Für euch
ist er tot, doch lebt er beim Teufel weiter. Und wenn Sie nicht an den Teufel
glauben, kann ich nichts dafür. Ich will Sie nicht zum Glauben zwingen, wenn
Sie nicht glauben wollen, dann wollen Sie nicht. Glauben ist halt eine Frage des
Glaubens, und wer nicht glaubt, hat keinen Glauben! Aber glauben Sie mir, ich bin
der Sohn des Teufels. Ich kann Ihnen das anhand einer Quathro-Mathi-Alrose-Dialyse
beweisen, oder aber anhand eines DNA-Vergleiches, wenn Ihnen die andere Methode
noch fremd ist! Aber dann müßten Sie ja glauben, daß die
Vergleichsprobe vom Teufel ist. Und das tun Sie nicht.
Den Teufel werden Sie, zumindest hier auf der Erde, nie so sehen, wie er richtig
ist. Hier benutzt er immer Medien!
Aber wenn Sie behaupten zu sein, was Sie behaupten zu sein, und behaupten,
daß Sie es beweisen können, und es dann doch nicht beweisen
können, dann können Sie nicht von mir erwarten, daß ich Ihnen
einfach alles glaube!
Solange Sie nicht glauben, wer ich wirklich bin, kann ich es Ihnen auch nicht
beweisen. Denn die Beweise stützen sich am Glauben. Ich kann Ihnen alles
beweisen, doch Sie werden es nicht glauben, da Sie nicht glauben. Glauben Sie
wirklich, Sie glauben nicht an den Teufel? Glauben Sie nur, wenn Sie Beweise haben?
Wenn Sie nur dann glauben, glauben Sie nicht, sondern wissen. Und Wissen, so wissen
wir, braucht man in der Schule, nicht im Glauben. Sinn des Glaubens ist das Glauben,
nicht das Wissen! Und Sie wollen nur wissen, nicht glauben! Sie sind
ungläubig!
Das sag ich doch die ganze Zeit! Sie konnten mich mit Ihren merkwürdigen
Sätzen nicht so verwirren, daß ich nicht mehr weiß, daß ich
nicht glaube. Ich komme also zu dem Schluß, daß Sie gelogen haben, um in
die Redaktion aufgenommen zu werden. Also darf ich Sie eigentlich nicht als
Redakteur annehmen.
Aber da Sie wirklich ansprechende rhetorische Fähigkeiten besitzen, die jeden,
der nicht so genial ist wie ich, beeinflussen oder verwirren können und ihn
somit in den Wahnsinn treiben können, sage ich: Willkommen in der Redaktion,
Herr Gosgos!
Ich glaub, ich komm vom Glauben ab! Danke!
--ENDE--
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