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von Sabby, Steffi und Tina
Einst geschah es, daß wir drei auszogen, um die Krankhaftigkeit zu reanimieren. Doch
die Krankhaftigkeit wollte einfach nicht zurückkommen. Sie war schon viel zu
lange tot.
Wir weinten viele Tage und viele Nächte. Wir kamen nicht darüber hinweg. Die
Krankhaftigkeit hatte doch versprochen, uns niemals zu verlassen. Doch es schien
hoffnungslos. Die Krankhaftigkeit war und blieb tot. Sollten wir tatsächlich so enden?
Von Gott und der Welt verlassen, der Teufel kehrte uns den Rücken und wir waren doch
noch so jung! Das konnte doch nicht alles gewesen sein! Die Zeit drängte. Wie
konnte man das Schlimmste noch verhindern? Und den Teufel davon überzeugen,
daß wir noch lange nicht am Ende waren? Hatten wir noch eine Chance?
Wir drei gingen in den Raum, in dem unser Hausteufel residierte. Wir sahen ihn
schweigend an. Wir wußten alle, daß er nicht echt war. Wir hatten uns die
ganze Zeit was vorgemacht. Wir konnten ihn vertreiben, indem wir ihm aus den Werken
von Anton Szandor LaVey, Aleister Crowley und Friedrich Nietzsche vorlasen. Wenn
das nicht eindeutig war! Wir sahen ihm hinterher und ließen ihn ziehen.
Er floh nach Bayern, dem frommsten der deutschen (?) Bundesländer.
Dann machten wir uns auf die Suche nach dem echten leibhaftigen Teufel. Die Suche
gestaltete sich lang und schwierig. Am Ende fanden wir ihn dort, wo niemand ihn
vermutet hätte. Er war an einem Ort, den wir nie freiwillig aufgesucht
hätten. Hilflos standen wir vor Aachens Dom und verfluchten Gott für
seine "Wohltaten", die uns in diese Lage gebracht hatten, da erschien der Teufel
auf der Suche nach seinem "Finger". Offenbar hatte er davon gehört, daß
sich sein "Finger" schon seit Ewigkeiten im Türknauf des Aachender Doms befand.
War wohl eine Strafe Gottes, an die sich der Teufel nur leider gar nicht mehr
erinnern konnte. Und warum hätte wohl ausgerechnet er versuchen sollen, eine
Kirche zu betreten? Unvorstellbar, aber in seiner Wut über den Verlust seines
"Fingers" wollte er jeder noch so kleinen Spur nachgehen.
Nun stand er am Dom und sah uns sofort. "Daß wir uns hier treffen, trifft sich
gut. Ihr klagt über den Verlust eurer Krankhaftigkeit. Ich zeuge euch eine
neue." Er packte uns alle drei, wobei wir feststellten, daß sein "Finger", ach,
was soll das, nennen wir es beim richtigen Namen, sein Schwanz war ganz bestimmt
nicht in dem Kirchentürknauf. Wenn doch, hätte er den Knauf gesprengt. Es
war enorm (Breite 10 cm, Länge 30 cm).
Der Teufel trug uns auf ein Parkdeck. Als er mit uns das Deck betrat, gingen alle
Fahrzeuge simultan in Flammen auf. Wir schwitzten. "Das ist eine gute Kulisse
für die Zeugung einer neuen Krankhaftigkeit." Er hatte recht. Um es beim
Namen zu nennen, er fickte uns alle so lange, bis er sicher sein konnte, daß
tatsächlich in uns allen eine neue Krankhaftigkeit wuchs.
Wer hätte das gedacht, daß Krankhaftigkeit auf diese Art entsteht?
Krankhaftigkeit als Sprößling des Teufels? War so etwa auch unsere
verlorene Krankhaftigkeit entstanden? Und was machte der Teufel am Aachener Dom,
wenn er nun seinen Finger, na gut Schwanz, wohl offensichtlich doch nicht verloren
hatte? Oder wußte er von unserer Pein und verweilte allein aus diesem Grund
dort? Fragen über Fragen.
Monate später zog es uns magisch zu dem Parkdeck, das zur Zeugung der
Krankhaftigkeit mißbraucht worden war. Als wir es betraten, gingen erneut alle
Fahrzeuge in die Luft und wir glaubten, den Teufel in den Flammen zu sehen. Er war
bei uns und würde seine wundervollen Kinder annehmen. Und tatsächlich,
nachdem wir alle drei Kinder geboren hatten (und keines von ihnen hieß
Rainer), erschien er. Er nahm die Kinder in den Arm und küßte sie; er
küßte die linke Hand und ihre Stirn und dann geschah es. Alle vier
verschwanden in einer Rauchwolke. Wir wunderten uns ein wenig; sollten wir die
Krankhaftigkeit nun zum zweiten Mal verlieren?! Doch nein, aus einer Feuerwand
tauchten unsere Kinder wieder auf, verschmolzen zu einer einzigen
Krankhaftigkeit, und das war wirklich krankhaft. Die Krankhaftigkeit besteht also
aus drei kleineren Krankhaftigkeiten. Plötzlich überkam uns der
unüberwindliche Drang zu schreiben, und zwar lauter Krankhaftigkeiten. Die
Krankhaftigkeit war ein für allemal zurückgekehrt. Und diesmal wird sie
nicht mehr sterben, denn der Teufel persönlich hat sie erschaffen.
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