Der Selbstmord-Versager

Ich will tot sein. Ich werde mich selber töten. Ich habe keinen Grund dazu, aber ich will endlich auf die andere Seite, damit ich nicht mehr denken muß.
Ich brauche ein Rasiermesser. Mehr Blut muß in die SickNess. Ich werde es hineinbringen. Ich schlitze meine Handgelenke auf, es sprudelt in die SickNess. Ich muß ein paarmal umblättern, aber die SickNess ist in der Soße schon zu Matsch geworden. Es sprudelt immer noch, ich brauche wohl weitere Exemplare der SN. Endlich ist mein ganzes Blut ausgelaufen. Aber irgendwas läuft anders als geplant. Etwas ist falsch. Genau: Ich lebe noch. Wie kann es sein? Ich habe doch kein Blut mehr. Auf die Straße, sehen, wie die Leute reagieren. Sie starren auf mein Handgelenk, es sieht ziemlich eklig aus. Vielleicht wundern sie sich, wieso da kein Blut rausläuft, denn die Wunde klafft Zentimeter auseinander. Aber die Leute sehen mich, also bin ich noch am Leben. Scheiße. Wo ich schon mal hier draußen bin, kann ich doch direkt über die Straße gehen. Alles frei, bis auf den LKW in der Ferne. Schaff ich noch. Ich bin auf der anderen Straßenseite angekommen. Scheiße, warum war der Laster so lahm!! Noch mal zurück; da, er hat mich erwischt. Tja, was jetzt. Er ist über mich drübergefahren. 100 Meter weiter kommt er zum Stehen, der Fahrer rennt auf mich zu. Ich hab jetzt keinen Bock auf Unterhaltungen, ich steh auf und geh. Er hat mich doch nicht erwischt, obwohl ich hätte schwören können...
Wieder zuhause und seh in den Spiegel. Ich hasse diese Person, denn sie ist unfähig, sich das Leben zu nehmen. Der LKW hat mich doch erwischt, ich seh die Reifenabdrücke. Wie im Comic, fast hätte ich gelacht. Na wenigstens ist kein Blut mehr zu sehen. War ja sowieso nichts mehr in mir drin.
Was jetzt? Blutleer und plattgefahren, aber immer noch nicht tot. Ich schäme mich, es funktioniert nicht. Dann muß ich mich eben in mein Auto setzen, egal wie ich jetzt aussehe. Ich bin ja sowieso bald tot, darum ist es mir egal, was die Massen jetzt von mir denken. Auf der nächstbesten Autobahnraststätte wende ich und fahre in die andere Richtung zurück. Ich ramme das zweite Auto, das mir entgegenkommt, frontal. wir gehen in Flammen auf. Mit geht's gut, ich steige aus und lebe immer noch. Ich fange an zu weinen. Ich bin ein Versager.
Was soll ich jetzt tun? Ich fahre meine Mutter besuchen. Die alte Frau sieht mich an und schreit. Ich will mich mit ihrem Nähzeug erstechen. Es tut so weh!! Aber es bringt nichts. Ich kann es nicht glauben, also bringe ich meine Mutter um, wenn ich es bei mir nicht kann.
Ich bastel eine Bombe. Ich nehm sie mit auf den Platz im Zentrum der Stadt. Ich zünde sie. Aua, ist das heiß, jetzt liegen überall Leichen um mich rum. Eine Scheißpanik, aber ich lebe noch, und zwar schmerzvoller als zuvor. Alle tot, nur ich nicht. Warum sterbe ausgerechnet ich nicht, warum die anderen, die es gar nicht wollen? Es kotzt mich an, das wäre ein Grund für einen Selbstmord. Aber der ist unmöglich. Ich habe keine Chancen mehr, das sehe ich jetzt ein. Mir tut alles weh, ich bin blutleer und verletzt, aber ich lebe immer weiter. Was soll ich tun?

Aufgezeichnet von:

"Better watch out!"
Nory Morse

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