Über die Gefahren des Rumstarrens

Wenn die geringfügig Irre plötzliche Erfrierungsanfälle hat, dann verzichtet sie auf ihr geliebtes Motorrad und fährt Bus.
Sie sitzt im Bus. Im Bus erleidet sie desöfteren irgendwelche Kurz-Vor-Amok- Zustände. Besonders wenn die Leute starren. So wurde sie einmal von einer Teenagerin zum Augenduell aufgefordert. Da die unwesentliche Irre ja genügend Übung hat (danke, Herr Ratonie R.), nimmt sie die Herausforderung an. Dreißig Haltestellen weiter, endlich, die kaum wahrnehmbar Irre hat gewonnen, sie hat die Glotzerin zu Tode gestarrt, und jedesmal, wenn der Bus bremst und wieder anfährt, rollt sie weinend, rotierend durch den Bus. Die nur ein bißchen Irre erfreut sich an ihrem Sieg, beschließt aber, das Busfahrexperiment als mißglückt zu betrachten und das nächste Mal lieber auf ihrer Maschine zu erfrieren. Nun ja, die unbedeutend Irre verläßt den Bus, geht ins Marino. Bald ist hier Redaktionssitzung, die bloß wenig Irre ist wohl als erste da. Sie räkelt sich gerade am Konferenztisch, da sieht sie es: ein häßlicher Typ, und er GLOTZT! Da sie keine andere Möglichkeit sieht, den verhaßten Blickkontakt angemessen zu beenden, greift sie dezent unter den Tisch, wo sich das geheime Waffendepot der SN-Mitarbeiter befindet. Cutterbillys Butterfly trifft das linke Auge des Betrachters; das rechte Auge zieht Nory Morse' Messer magisch an. Endlich hat die unmerklich Irre ihre Ruhe, keiner starrt mehr. Zur Prävention trägt sie nun eine Sonnenbrille, extra schwarz. Jetzt kann der geringfügig Irren keiner mehr in die Augen sehen. Doch die Freude währt nur Minuten. Ein Greis kommt. Er hat ein Gerät, mit dem er extraschwarze Sonnenbrillen durchschauen kann. Das Gerät hat er sich gekauft, damit er die unwesentlich Irre besser anglotzen kann. Ihr wird es nun zu bunt. Durch den Amokzustand mit ganz neuartigen Körperkräften ausgestattet, nimmt sie sich den Konferenztisch und hebt ihn hoch. Sie reßt die Glasplatte vom Tisch und schlägt damit auf den alten Mann ein. Der verliert das Augenlicht, und als er schreit: "Ich bin blind!", beruhigt sich die unbedeutend Irre und lehnt sich wieder an dem kaputten Tisch zurück. Jetzt ist sie sicher, daß keiner sie mehr sieht. Die restlichen SN-Mitarbeiter kommen. Sie kommen alle auf einmal. Sie sagen: "Was hast du mit dem Tisch gemacht, Alina?" Die wirklich kaum Irre antwortet: "Ich habe damit einen starrenden und glotzenden Idioten verstümmelt." Die Erklärung verwirrt die anderen Redakteure. Fassungslos starren sie die unmerklich Irre an, denn sie können nicht verstehen.
Oh nein, so viele starrende Leute auf einmal! Die schwerwiegend Irre verliert den letzten Rest Verstand. Sie nimmt das, was vom Konferenztisch noch übrig ist und schlägt damit um sich. Dann sind alle tot, nur die SN-Leute überleben unversehrt, denn sie sind gut. Aber das ist egal, Hauptsache, alle anderen haben ihre Augen für immer geschlossen. Der auffallend Irren geht es jetzt richtig gut, denn der Blickkontakt entfällt durch den Tod der vielen Leute. So läuft die Redaktionssitzung wie gewohnt ab, wenn man das Fehlen des Tisches nicht mitberücksichtigt. Und keiner starrt mehr. Denn sie haßt Blickkontakt.

Alina B. Vanes

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